Viktorianischer Schmuck ist kein einzelner Stil

Viktorianischer Schmuck

5036 Viktorianischer Goldring mit Diamant

5036 Viktorianischer Goldring mit Diamant

€977,47

5122 Viktorianischer Goldring mit Granat und Perle

5122 Viktorianischer Goldring mit Granat und Perle

€781,98

5066 Viktorianischer Goldring mit Süßwasserperle und Amethyst

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€781,98

Ein viktorianisches Schmuckstück mag auf den ersten Blick leicht erkennbar erscheinen: dunkle Emaille, eine Haarlocke, ein Blumenmotiv, ein altgeschliffener Stein oder eine reich gegliederte Goldfassung. Das 19. Jahrhundert hat uns jedoch keine einzige, einheitliche Formensprache hinterlassen. Während der Regentschaft der britischen Königin Victoria von 1837 bis 1901 wurden Industrie, Handel, Reisen und das gesellschaftliche Leben grundlegend umgestaltet. Schmuck bewahrte zugleich die Tradition der Handwerkskunst, nutzte neue Herstellungsmethoden, rief die Kulturen der Vergangenheit wach und vermittelte äußerst persönliche Botschaften.

Daher lohnt es sich nicht, einen Gegenstand allein deshalb als viktorianisch zu betrachten, weil er „altertümlich“ wirkt. Eine verlässliche Bestimmung setzt sich aus mehreren, sich gegenseitig verstärkenden Merkmalen zusammen: Die Gesamtheit aus Form, Material, Struktur, Punzen, Steinschliff, Abnutzung und eventuellen Reparaturen spricht für sich. Eine gute Beobachtung gibt dem Gegenstand nicht sofort einen Namen, sondern stellt erst Fragen.

Nützliche Periodisierung, ohne starre Grenzen

Viktorianische Schmuckstücke werden häufig in eine frühe oder romantische, eine mittlere oder „große“ sowie eine späte oder ästhetische Phase unterteilt. Diese Einteilung ist ein Orientierungspunkt, kein exaktes diagnostisches System. Die Moden änderten sich nicht von heute auf morgen, ältere Motive wurden weiter produziert, und dieselbe Form konnte in England, Frankreich, Italien oder den Vereinigten Staaten mit unterschiedlichen Materialien und Techniken in Erscheinung treten.

In der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren der Natur entnommene Formen besonders beliebt: Blätter, Blumen, Früchte, Schlangen, Vögel und Käfer. Das Interesse an der Botanik und die Sensibilität der Romantik nährten diese Mode gleichermaßen. Viele Objekte wurden als Liebes- oder Freundschaftsgeschenke gefertigt. Bei akrostichischem Schmuck konnten beispielsweise die Anfangsbuchstaben der englischen Namen der Steine ein Wort bilden; aus der Reihe von Rubin, Smaragdhaltigem, Granat, Amethyst, Rubin und Diamant lässt sich die Botschaft „REGARD“ ablesen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jede Reihe aus gemischten Steinen ein geheimer Code ist. Für die Interpretation sind die sichere Identifizierung der Steine und der zeitgenössische Kontext erforderlich.

Ab den 1860 er Jahren wurden Objekte, die mit der Trauer assoziiert wurden, augenfälliger. Prinz Alberts Tod im Jahr 1861 und die lang anhaltende Trauer von Königin Victoria hatten großen Einfluss auf die Mode, doch die Tradition des Trauerschmucks ist weitaus älter. Schwarze Emlae, Gagat, Onyx, Vulkanit und andere dunkle Materialien tauchten auf, oft versehen mit Haar, Namen, Datum oder einer Gedenkaufschrift. Die zweite Hälfte des Jahrhunderts lässt sich jedoch nicht ausschließlich in Schwarz kleiden: Zur selben Zeit entstanden auch florale Schmuckstücke, farbige Steine, archäologisch inspirierte Goldarbeiten und leichtere Modeschmuckstücke.

Gegen Ende der Epoche rückten feiner linierte Kompositionen mit Sternen, Halbmonden, Insekten und Pflanzen in den Vordergrund, während sich zugleich der Diamantschliff und die Herstellungstechnik veränderten. Ab den 1890 er Jahren griffen die neue Auffassung der Arts-and-Crafts-Bewegung und des Jugendstils bereits in die nächste Epoche über. Ein Schmuckstück um 1898 kann daher zugleich spätviktorianisch und ein früher Vertreter einer neuen Kunstrichtung sein.

Emotionen, die auch Beweise benötigen

Eine der Quellen für den Reiz viktorianischen Schmucks ist seine Personalität. Die verborgenen Fächer von Medaillons, die verglasten Öffnungen auf der Rückseite, Haarflechten, Monogramme und Inschriften konnten tatsächlich eine enge Beziehung zwischen Träger und Beschenktem herstellen. Schmuck aus Haar konnte ein Trauerabzeichen sein, aber ebenso eine Erinnerung an Liebe, Familie oder Freundschaft. Das Vorhandensein von Haar allein beweist nicht, dass es von einer verstorbenen Person stammt.

Eine sicherere Trauerbestimmung kann durch einen Namen, ein Sterbedatum, eine Inschrift „in memory of“, eine Urne, ein Grabmal oder eine andere eindeutige Ikonographie gestützt werden. Selbst dann muss das, was das Objekt zeigt, getrennt werden von dem, was die Familiengeschichte behauptet. Eine dokumentierte Provenienzgeschichte kann dem Wert vieles hinzufügen, doch die mündliche Überlieferung ersetzt keine zeitgenössische Inschrift, Rechnung, Schachtel oder andere überprüfbare Beweise.

Ähnliche Vorsicht ist bei der Blumensymbolik geboten. Im 19. Jahrhundert gab es zwar beliebte „Blumensprachen“, deren Bedeutung konnte jedoch je nach Publikation und Medium variieren. Ein Vergissmeinnicht verweist höchstwahrscheinlich auf das Gedenken, doch nicht jedes pflanzliche Detail lässt sich aus einem einzigen Wörterbuch entschlüsseln. Das Symbol ist eher eine Interpretationsmöglichkeit als eine automatische persönliche Botschaft.

Die Rückseite verrät oft mehr als die Vorderseite

Beim Kauf empfiehlt es sich, den Gegenstand so zu betrachten, wie es ein Restaurator tun würde: von vorn, von der Seite und von hinten, auch unter starker Vergrößerung. Die Qualität der Komposition zeigt sich in den Proportionen und dem Rhythmus der Details, doch die Struktur verrät, wie er hergestellt wurde und was später mit ihm geschah.

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts machte Schmuck nicht wertlos. Hohl gepresste, gegossene oder teilweise maschinell gefertigte Elemente können durchaus zeitgenössisch sein. Die Massenproduktion machte das Tragen von Schmuck für mehrere gesellschaftliche Schichten zugänglich, während Handgravur, Ziselierung, Emaillearbeit und Steinfassung weiterhin wichtig blieben. Uneinheitlichkeit ist also nicht per se ein Zeichen von Originalität, und Regelmäßigkeit ist nicht unbedingt ein Beweis moderner Fertigung.

Die Rückseite eines qualitativ hochwertigen Gegenstands ist in der Regel geordnet. Die Passung der Platten, die Lötstellen, der Verschluss der Fächer und die Böden der Fassungen sind durchdacht. Dennoch kann ein wirklich altes Stück Reparaturen aufweisen. Ein andersfarbiges Lot, eine unterbrochene Gravur, eine unverhältnismäßig dicke Ringschiene, eine überflüssige Öse oder eine entfernte Nadelkonstruktion können darauf hindeuten, dass der Gegenstand in der Größe verändert, von einem Medaillon in eine Brosche, von einer Brosche in einen Anhänger umgewandelt oder ein beschädigter Teil ersetzt wurde. Dies sind beobachtbare Zeichen, deren genaue Datierung jedoch oft nur durch eine Untersuchung in den Händen möglich ist.

Punzen: wichtige Spuren, keine unfehlbaren Urteile

Britische Punzen können besonders nützlich sein, da das Punzamt, der Feingehalt und in bestimmten Fällen auch der Datierungsbuchstabe den Herstellungsort und -zeitraum einengen können. In Großbritannien wurden im Jahr 1854 die Goldstandards von 15, 12 und 9 Karat eingeführt. Eine Markierung von 9 Karat schließt einen viktorianischen Ursprung daher für sich allein nicht aus, ist jedoch mit einem britischen Datum vor 1854 nicht mehr vereinbar.

Das Fehlen einer Marke beweist ebenfalls keine Fälschung. Das Objekt könnte in einem anderen Land hergestellt worden sein, zu leicht oder zu klein für die obligatorische vollständige Punzierung gewesen sein, oder der Stempel könnte während einer Umarbeitung abgenutzt worden sein oder verschwunden sein. Auch 14-karätiges Gold ist nicht „nicht viktorianisch“: Es ermahnt eher dazu, nicht ausschließlich im britischen System zu denken. Markierungen sollten stets zusammen mit der Struktur, dem Stil und der Provenienz gelesen werden. Bei einem wertvollen Gegenstand ist eine instrumentelle Untersuchung der Metallzusammensetzung und die fachmännische Deutung der Stempel angezeigt.

Steine und Fassungen: Was wir sehen können und was nicht

Ein alter Schliff bedeutet nicht unbedingt, dass das gesamte Schmuckstück alt ist. Ein früherer Stein konnte in eine spätere Fassung eingesetzt worden sein und umgekehrt: In eine viktorianische Fassung konnte ein moderner Ersatz geraten sein. Bei Diamanten ist der Rosenschliff eine flachbodenartige, kuppelförmige Form mit dreieckigen Facetten und ohne Tafel. Er wurde jahrhundertelang verwendet und ist daher kein exklusiv viktorianisches Erkennungsmerkmal.

Der Altschliff weist meist einen weich quadratischen oder kissenartigen Umriss mit einer höheren Krone und einer kleinen Tafel auf. An seiner unteren Spitze ist oft ein gut sichtbares kleines Flachstück, die sogenannte Kalette, zu beobachten. Der alte europäische Schliff wurde gegen Ende des Jahrhunderts gebräuchlicher und zeichnet sich durch einen rundlicheren Umriss aus. Diese Proportionen geben Anhaltspunkte, doch auch die Benennung des Schliffs sollte nicht auf ein einziges verschwommenes Foto gestützt werden.

Bei farbigen Steinen können Farbe, Einschlüsse und Schliff Anhaltspunkte geben, doch anhand eines Fotos lässt sich nicht sicher feststellen, ob ein Stein natürlich, synthetisch oder behandelt ist. Die Herstellung des synthetischen Rubins nach Verneuil wurde Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt, und das Verfahren wurde im Jahr 1902 angemeldet; seine breite Marktpräsenz gehört bereits zum 20. Jahrhundert. Ein solcher Stein in einem als früher eingestuften Stück kann auf einen späteren Ersatz oder eine fehlerhafte Datierung hinweisen. Für eine sichere Schlussfolgerung sind Mikroskop, optische Untersuchungen und gelegentlich fortgeschrittene Laborinstrumente erforderlich.

Die Perle ist ein besonders wichtiges Beispiel. Kommerziell erfolgreiche Zuchtperlen tauchten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Die Steine eines originalen viktorianischen Perlenschmuckstücks könnten daher Naturperlen gewesen sein, doch bei den heute erhaltenen Objekten ist ein späterer Austausch häufig. Natur- und Zuchtperlen lassen sich durch bloße Augenscheinprüfung nicht zuverlässig voneinander unterscheiden; die sicherste zerstörungsfreie Methode ist die Röntgenuntersuchung. Eine Süßwasser-Zuchtperle macht einen alten Ring also nicht „fälschlich“, muss jedoch präzise dokumentiert werden, da sie die Geschichte und den Wert des Gegenstands beeinflusst.

Bei schwarzen Materialien ist dieselbe Vorsicht geboten. Gagat, Onyx, Glas, Vulkanit und andere Ersatzmaterialien können auf einem Foto täuschend ähnlich wirken. Eigenhändige Kratz- oder heiße Nadelproben können das Objekt beschädigen und sind daher zu vermeiden. Die sichere Materialidentifizierung ist die Aufgabe eines Fachmanns.

Umarbeitung, Reparatur und Originalität

Ein „vollkommen unberührtes“ viktorianisches Schmuckstück ist seltener, als Marktbeschreibungen nahelegen. Ringe wurden in der Größe angepasst, abgenutzte Krappen neu aufgebaut, Broschen in Anhänger umgewandelt, fehlende Steine ersetzt. All dies ist nicht unbedingt ein Fehler: Eine gute, dokumentierte Restaurierung kann die Tragbarkeit bewahren und weitere Schäden verhindern.

Die Frage ist eher, inwiefern die Umarbeitung den Charakter des Gegenstands verändert hat, mit welcher Qualität sie durchgeführt wurde und ob dies in der Beschreibung klar mitgeteilt wird. Ein Warnsignal kann eine Steinreihe mit abweichender Abnutzung sein, ein schlecht in die Fassung passender Ersatz, Klebespuren, grobe Lötstellen oder eine neue Montierung, die die ursprüngliche Verzierung durchschneidet. Auf dieser Grundlage kann ein Verdacht geäußert werden, doch aus einem einzigen Foto sollte kein sicheres Urteil gefällt werden.

Bewusster Kauf: die Reihenfolge der richtigen Fragen

Der Wert eines viktorianischen Schmuckstücks wird nicht allein durch den Epochennamen bestimmt. Von Bedeutung sind die Ausführungsqualität, das Material, die Seltenheit, der Zustand, die Tragbarkeit, die dokumentierte Herkunft und die Frage, ob wesentliche Änderungen offengelegt wurden. Vor dem Kauf empfiehlt es sich, hoch aufgelöste Bilder der Vorderseite, der Rückseite, der Punzen, der Fassungen und der reparierten Teile anzufordern; darüber hinaus Größe, Gewicht, Metallfeingehalt, Steinidentifizierung und Zustandsbeschreibung. Im Falle von Diamanten, farbigen Edelsteinen oder Perlen von bedeutendem Wert ist ein unabhängiges gemmologisches Dokument keine überflüssige Formalie, sondern die Protokollierung dessen, was mit bloßem Auge nicht entschieden werden kann.

Die von der Opera Antikvitás als viktorianisch angebotenen Ringe zeigen gut, welche unterschiedlichen Fragen dasselbe Epochenetikett aufwerfen kann. Bei einem mit Amethyst und Smaragden geschmückten Goldring sind die Identität der Steine, ihre Fassung und eine mögliche Größenänderung der Schiene von Bedeutung. Bei einem mit Granat und Perlen verzierten Stück rückt die Natur- oder Zuchtperlenbeschaffenheit der Perlen beziehungsweise deren eventueller Austausch in den Vordergrund. Bei einem Ring, der mit Rosenschliff-Diamanten geschmückt ist, muss neben der alten Form der Steine zudem untersucht werden, ob Fassung, Punze und die gesamte Struktur in dieselbe Chronologie passen.

Ein gutes viktorianisches Schmuckstück ist nicht deshalb interessant, weil jeder Teil unversehrt einhundertfünfzig Jahre überlebt hat. Es wird dadurch authentisch und sammelwürdig, dass sein Material, seine Ausführung und seine Geschichte konsistent lesbar sind und Unsicherheiten nicht von einem romantischen Etikett überdeckt werden. Der bewusste Sammler kauft nicht einfach eine Epoche, sondern die gut dokumentierte Biografie eines Gegenstands.