Rubinschmuck im Detail: Farbe, Innenbild und Echtheit

Rubinschmuck

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Der Rubin mag auf den ersten Blick schlicht wirken: ein roter Edelstein, dessen Kraft aus seiner Farbe entspringt. Bei genauerem Hinsehen wird eben dieses Rot jedoch vielschichtig. Es kann im Tageslicht und bei künstlichem Licht anders wirken, gleichmäßig oder fleckig, klar oder leicht purpurn, strahlend oder allzu dunkel. Die im Inneren des Steins sichtbaren nadelartigen Einschlüsse, Kristalle und geheilten Risse mögen eine Geschichte bewahren, doch ebenso wichtig ist, wie er geschliffen, wie er gefasst wurde und welche Eingriffe er erfahren hat. Die Beurteilung eines alten Rubinschmuckstücks hängt daher nicht von einer einzigen augenfälligen Eigenschaft ab. Das geübte Auge beobachtet zunächst und trennt dann das, was sicher sichtbar ist, von dem, was nur durch eine instrumentelle gemmologische Untersuchung entschieden werden kann. Dieser Unterschied macht es möglich, den Rubin nicht nur als Symbol, sondern auch als Material und als Teil eines historischen Objekts zu verstehen.

Als noch nicht jeder rote Stein einen genauen Namen hatte

Über Jahrhunderte hinweg war der Rubin das Symbol für Macht, Lebenskraft und Liebe. Die Sanskrit-Tradition nannte ihn „den König der Edelsteine“, und europäische sowie asiatische Höfe schätzten die tiefroten Steine in besonderem Maße. Das Wort „Rubin“ in alten Quellen bedeutete jedoch nicht immer das, was wir heute im gemmologischen Sinne als Rubin bezeichnen. Vor der Entwicklung der modernen Mineralogie wurden ähnlich gefärbte Steine oft nach ihrem äußeren Erscheinungsbild gruppiert. Der rote Spinell beispielsweise war lange Zeit unter dem Namen „Balasrubin“ im Umlauf, und bei mehreren berühmten historischen „Rubinen“ stellte sich später heraus, dass es sich in Wirklichkeit um Spinelle handelte. Die wissenschaftliche Trennung der beiden Minerale wurde erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts eindeutig. Dies ist auch eine wichtige Lehre für antiken Schmuck: Eine traditionelle Bezeichnung, eine Familiengeschichte oder ein alter Inventarbucheintrag sind für sich genommen nicht gleichzusetzen mit einer heutigen Laborbestimmung.

Was macht einen Rubin zum Rubin?

Der Rubin ist die rote Varietät des Korunds. Korund besteht aus Aluminiumoxid; im reinen Zustand ist er farblos, und seine rote Farbe verdankt er vor allem Chrom, das in seine Kristallstruktur eingebaut ist. Die übrigen Farbvarietäten desselben Minerals werden Saphir genannt. Die Grenze zwischen Rubin und rosafarbenem Saphir lässt sich jedoch nicht durch ein einziges, überall gleiches Farbmuster ziehen. Handelspraxis, kulturelle Überlieferung und gemmologische Vergleichsproben spielen gleichermaßen eine Rolle dabei, wann ein Stein bereits als rot und nicht mehr als rosa angesehen wird. Korund weist auf der Mohsskala einen Härtewert von 9 auf, gehört also nach dem Diamanten zu den härtesten, in der Schmuckherstellung weit verbreiteten natürlichen Mineralien. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Rubin unverwundbar ist. Bis an die Oberfläche reichende Risse, starke Einschlüsse, dünne Schliffpartien oder bestimmte Behandlungen können das Risiko einer Beschädigung erhöhen. Die Härte beschreibt den Widerstand gegen Kratzer; die Stoßfestigkeit und der Zustand der Fassung sind eine andere Frage.

Die Betrachtung der Farbe: mehr als „schönes Rot“

Der wichtigste Faktor für den Wert eines Rubins ist in der Regel die Farbe. Gesuchte Steine sind lebhafte, gesättigte Rotweine oder leicht purpurnere Rotweine, doch neben dem Farbton sind auch Tonwert und Brillanz entscheidend. Ein zu dunkler Stein kann ins Schwarze neigende Bereiche aufweisen, während ein zu heller eher den Eindruck eines rosafarbenen Saphirs erwecken kann. Die Farbe wirkt erst dann wirklich kraftvoll, wenn sie gesättigt ist und dennoch Leben und inneres Licht behält. Der Begriff „Taubenblut“ sollte mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Historisch wurde damit ein lebhaftes Rot mit leicht purpurnem oder rosafarbenem Ton beschrieben, das zudem durch eine rote Fluoreszenz verstärkt wurde. Heute existieren dahinter jedoch als Handelsbezeichnung verschiedene Standards und unterschiedliche Verwendungsweisen. Es bedeutet nicht automatisch einen birmanischen Ursprung, eine Unbehandeltheit oder herausragende Qualität und ersetzt keinen unabhängigen Laborbericht. Bei der Begutachtung empfiehlt es sich, den Stein vor einem neutralen, möglichst weißen Hintergrund sowohl bei diffusem Tageslicht als auch bei warmem Kunstlicht zu betrachten. Drehen Sie ihn langsam: Verändert sich der Farbton, gibt es dunkle, kaum lebendige Partien oder hellere Farbzonen? Der Rubin kann je nach Richtung leicht unterschiedliche Farben zeigen, und der Schliff führt dies entweder vorteilhaft zusammen oder verstärkt Unregelmäßigkeiten.

Was verraten Schliff und inneres Bild?

Der Schliff farbiger Edelsteine ist oft ein Kompromiss zwischen Farbe, Gewicht und Lichtreflexion. Ein zu flach geschliffener Rubin kann in der Mitte ein helles „Fenster“ zeigen, durch das man hindurchzusehen scheint. Ein zu tief oder ungünstig orientierter Stein kann große, dunkle Partien aufweisen. Oval- und Kissenformen sind häufig, da sie sich gut an die Form des Rohkristalls anpassen, doch bei antiker Schmuckkunst kommen auch unregelmäßigere, handgeformte Steine und Cabochons vor. Die Einschlüsse eines Rubins sind keineswegs nur Mängel. Feine Rutilnadeln, die sogenannte „Seide“, winzige Kristalle, Farbzonen oder geheilte Risse können auf die natürliche Entstehung, die geologische Umgebung und sogar auf gewisse Behandlungen hinweisen. Intakte Rutilseide beispielsweise kann ein Erhitzen bei sehr hohen Temperaturen ausschließen, beweist jedoch nicht, dass der Stein überhaupt nicht erhitzt wurde. Einfache Regeln sind daher gefährlich: Aus einem einzigen Einschlussstyp lässt sich selten eine vollständige Geschichte erzählen. Wenn die Rutilnadeln in die richtige Richtung ausgerichtet sind und der Stein zu einem gewölbten Cabochon geschliffen ist, kann bei punktförmiger Beleuchtung ein sechsstrahliger Stern auf ihm erscheinen. Bei der Bewertung eines Sternrubins zählen die Schärfe des Sterns, seine zentrierte Ausrichtung, seine Bewegung, die Körperfarbe und die Transparenz des Steins zusammen. Der Anblick des Sterns allein beweist keinen natürlichen Ursprung, da es auch im Labor gezüchtete Sternrubine gibt.

Erhitzt, gefüllt oder im Labor gezüchtet?

Die Wärmebehandlung ist bei Rubinen ein seit langem bekanntes und weit verbreitetes Verfahren. Sie kann die Farbe und den Eindruck von Reinheit verbessern sowie das Einschlussbild modifizieren. Ein rein erhitzter Rubin bleibt nach wie vor ein natürlicher Rubin, doch die Behandlung muss beim Kauf deklariert werden. Unbehandelte Steine von guter Qualität sind seltener und können daher mit einem entsprechenden Laborzertifikat einen erheblichen Preisaufschlag rechtfertigen. Andere Eingriffe verändern das Aussehen und die Haltbarkeit des Steins wesentlich stärker. Risse, die mit bleihaltigem Glas gefüllt sind, können viel weniger sichtbar werden, sodass ein ursprünglich stark rissiges Material transparenter erscheint. Solche Steine können gegenüber Chemikalien und Hitzeeinwirkungen bei Reparaturen empfindlicher sein. Diffusionsbehandlungen können Farbe in die Nähe der Oberfläche oder tiefer hineinbringen; bei einer flachen Farbschicht kann eine Beschädigung oder ein Nachschliff auch die Farbe betreffen. Der synthetische, also im Labor gezüchtete Rubin ist kein Glasimitat. Er besteht im Wesentlichen aus demselben Material wie ein natürlicher Rubin, wurde jedoch unter künstlichen Bedingungen kristallisiert. Das Verneuil-Schmelzverfahren machte die industrielle Herstellung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert möglich, und zu Beginn der 1900 er Jahre war bereits eine beträchtliche Menge im Handel. Aus diesem Grund ist selbst eine wirklich antike Fassung, etwa aus der Art-déco-Zeit, kein automatischer Beweis dafür, dass der darin befindliche Rubin natürlich ist. Unter dem Mikroskop können gebogene Wachstumsstreifen, Gasblasen oder bestimmte Flussmittelrückstände bei der Erkennung helfen, doch das Bild ist nicht immer mustergültig. In einigen synthetischen Steinen wurden sogar natürlich wirkende, fingerabdruckähnliche Muster erzeugt. Für eine sichere Unterscheidung sind oft Spektroskopie, Spurenelementanalysen und ein erfahrener Gemmologe erforderlich.

Die Lagerstätte lässt sich nicht allein aus der Farbe ablesen

Die Bezeichnungen „birmanisch“, „thailändisch“, „ceylonisch“ oder „mosambikanisch“ mögen eine starke Marktbedeutung besitzen, dürfen jedoch nicht als einfache Farbformel verwendet werden. Keine Lagerstätte liefert ausschließlich Rubine von ein und derselben Nuance und Qualität, und die Steine verschiedener Lagerstätten können sich in ihrem Erscheinungsbild überschneiden. Eine Herkunftsbestimmung auf der Grundlage der Farbe ist daher höchstens ein Eindruck, kein Beweis. Gemmologische Labors untersuchen zur Beurteilung der Herkunft das Einschlussbild, die Spurenelementzusammensetzung und die spektroskopischen Daten gemeinsam. Selbst dann kommt es vor, dass das Ergebnis nicht eindeutig entschieden werden kann. Die Feststellung „inkonklusiv“ ist in solchen Fällen kein Mangel, sondern eine fachlich korrekte Grenzangabe. Anhand eines Fotos lassen sich weder die Lagerstätte noch die Behandlung oder ein natürlicher beziehungsweise synthetischer Ursprung zuverlässig feststellen.

Altes Schmuckstück, Stein mit eigener Geschichte

Bei antiker und vintage Schmuckkunst müssen Fassung und Edelstein gleichzeitig, aber als Elemente mit unterschiedlicher Geschichte betrachtet werden. Ein alter Rubin könnte später in eine neue Fassung eingesetzt worden sein, oder der verlorene Stein eines zeitgenössischen Rings wurde Jahrzehnte später ersetzt. Unterschiedliche Abnutzung der Krappen, frische Lötstellen, ein modifiziertes Stenbett, eine ungewöhnlich neue Oberfläche oder ein dem Stil der Fassung fremder Schliff können all dies eine weitere Untersuchung rechtfertigen. Punzen, konstruktive Lösungen, die Ausarbeitung der Rückseite und der Schliff der begleitenden Steine können bei der Altersbestimmung helfen, doch kein einzelnes Zeichen ist für sich allein ausschlaggebend. Eine gute Objektbeschreibung behandelt das vermutete Alter des Schmuckstücks, das Metallmaterial, die Identifizierung der Steine, eventuelle Reparaturen und das Ergebnis der gemmologischen Untersuchung separat. Die mit Rubinen geschmückten Art-déco-Ringe, Broschen und Colliers von Opera Antikvitás verdeutlichen eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Rolle sein kann, die dieselbe Farbe einnimmt. Neben Diamanten ist der rote Kontrast schärfer und grafischer; gepaart mit Perlen wirkt er weicher; zusammen mit Smaragden entsteht eine kraftvolle, historisierende Farbwirkung. Bei der Betrachtung sollten wir nicht nur den Mittelstein betrachten. Der Rhythmus der Komposition, die Einheitlichkeit der Fassungen, die Höhe der Steine, die Abnutzung und eventuelle Ersetzungen verraten gemeinsam, wie kohärent das Schmuckstück ist.

Was sollte man vor dem Kauf fragen?

Bei wertvollerem Rubinschmuck sind fünf Fragen besonders wichtig: Ist der Stein natürlich oder im Labor gezüchtet; sind Wärmebehandlungen oder andere Eingriffe nachweisbar; liegt ein unabhängiger Laborbericht vor; welche Reparaturen oder Steinwechsel wurden am Schmuckstück vorgenommen; und in welchem Zustand befindet sich die Fassung? Der Bericht sollte nicht als allgemeines „Zertifikat“, sondern als konkrete Informationsquelle dienen: Er kann Identifizierung, Größe, Farbbeschreibung, nachweisbare Behandlungen und – sofern untersuchbar – eine Herkunftsmeinung enthalten. Für die tägliche Pflege ist lauwarmes, mildes Seifenwasser die sicherste Grundlösung. Bei Rubinen unbekannter Behandlung oder mit gefüllten Rissen sind Ultraschall- und Dampfreinigung sowie säurehaltige Haushaltsmittel zu vermeiden. Bei alten Fassungen sollte der Juwelier vor der Reinigung zudem die Krappen und Lötstellen überprüfen. Die wahre Qualität eines Rubins setzt sich am Ende nicht aus einer klangvollen Herkunftsbezeichnung oder einer romantischen Legende zusammen. Ein überzeugendes Stück hat eine lebendige Farbe, einen zweckmäßigen Schliff, ein interpretierbares inneres Bild, eine offengelegte Behandlung sowie eine sichere und historisch kohärente Fassung. Der bewusste Sammler sucht nicht um jeden Preis nach einem fehlerfreien Stein, sondern nach einem Schmuckstück, dessen Schönheit und dokumentierte Realität im Einklang stehen.